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Zum Ende der Seite springen #MeToo und es schweigen die Männer?
Beiträge zu diesem Thema Autor Datum
 #MeToo und es schweigen die Männer? ALO Atheist 10.02.2018 13:04
 RE: #MeToo oder: Das Schweigen der Männer Pallas Athene 13.02.2018 14:59
 RE: #MeToo und es schweigen die Männer? Ramon 19.02.2018 10:56
 RE: #MeToo und es schweigen die Männer? Friedensreich 24.02.2018 18:34
 RE: #MeToo und es schweigen die Männer? Ramon 03.03.2018 14:40
 Adults for Adults: Citizens against Patronizing Politics ALO Atheist 29.04.2018 12:44
 RE: Adults for Adults: Citizens against Patronizing Politics Pallas Athene 29.04.2018 20:04
 RE: Adults for Adults: Citizens against Patronizing Politics ALO Atheist 30.04.2018 17:41
 RE: #MeToo und es schweigen die Männer? Friedensreich 01.05.2018 00:17
 RE: #MeToo und es schweigen die Männer? ALO Atheist 01.05.2018 15:00
 Die Kardinalfrage ALO Atheist 01.05.2018 15:37
 #MeToo in Österreich und nackte Zahlen ALO Atheist 05.05.2018 15:14

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ALO Atheist
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#MeToo

und

es schweigen die Männer?



Im Herbst des letzten Jahres wurde der US-amerikanische, jüdische Filmproduzent Harvey Weinstein^1 mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung sowie der sexuellen und sexualisierten Gewalt gegen Frauen konfrontiert. Auslöser für den Erfolg des 2006 von der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke erstmals verwendeten Hashtags "#MeToo" waren die Anschuldigungen der US-amerikanischen Filmschauspielerin Alyssa Milano gegen Harvey Weinstein Mitte Oktober 2017. Weitere Filmschauspielerinnen beschuldigten den bekannten Filmproduzenten der sexuellen Belästigung und der sexuellen sowie sexualisierten Gewalt und seither haben unzählige Frauen über das Hashtag "#MeToo" gegen Männer Vorwürfe der sexuellen Belästigung oder auch der sexuellen und sexualisierten Gewalt erhoben. In Deutschland und anderen Ländern wurde nach prominenten männlichen Tätern gesucht und frau/man wurde schließlich journalistisch fündig.

Weder Harvey Weinstein noch andere beschuldigte Prominente wurden bisher von der Polizei verhaftet, obwohl gerade in den USA die Behörden bei einer sexuellen Straftat welcher Form auch immer sofort reagieren und den Beschuldigten umgehend festnehmen - auch sehr Prominente, wie wir aus der Vergangenheit wissen. Und Journalistinnen und Journalisten ersetzen in einem Rechtsstaat nicht die Staatsanwaltschaft. Wir wollen in einem mitteleuropäischen Rechtsstaat an die geltenden Gesetze denken: StPO § 8 "Unschuldsvermutung": Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.^2 Das Ganze ist auf unterschiedlichen Ebenen eine Frage der Glaubwürdigkeit und der Journalismus hat in dieser Causa seine eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. #MeToo könnte vielleicht auch dazu anregen, § 7b "Schutz der Unschuldsvermutung" des Mediengesetzes etwas modifizieren zu lassen,^3 denn der Begriff "wahrheitsgetreu" lässt sich auf jede Lüge ausdehnen.

Unter der Headline "Es gilt die Schuldvermutung" verfasste Franz J. Sauer, Chefredakteur von "WIENER-ONLINE", ein lesenswertes aktuelles "Fazit" zur #MeToo-Thematik. Siehe wiener-online.at/2018/02/06/es-gilt-die-schuldvermutung

Gestern erschien im "Kurier" ein interessantes Interview mit dem berühmten, österreichischen Filmregisseur Michael Haneke unter dem Titel "Hexenjagd im Mittelalter belassen", in dem der Regisseur und Kenner des Filmmilieus auch auf die #MeToo-Debatte zu sprechen kommt. Siehe kurier.at/kultur/michael-haneke-hexenjagd-im-mittelalter-belassen

Aus einer repräsentativen Studie zu diesem Thema geht hervor, dass etwa 27 Prozent der Männer im Erwachsenenalter sexuell belästigt oder auch Opfer sexueller oder sexualisierter Gewalt wurden - in der Regel durch eine Frau.^4 #MeToo ist keineswegs eine Einbahnstraße.^5

Hätten Journalistinnen und Journalisten - es geht um Glaubwürdigkeit - bei den Opfern sexueller resp. sexualisierter Gewalt durch Repräsentantinnen und Repräsentanten der katholischen Kirche ähnlich eifrig agiert, so wäre der größte sexuelle Missbrauchsskandal der Zweiten Republik vielleicht in seiner ganzen Bandbreite ans Licht gekommen.


^1 Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Harvey_Weinstein
^2 Siehe https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassun...nummer=10002326
^3 Siehe https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassun...nummer=10000719
^4 Siehe https://www.gewaltinfo.at/fachwissen/aus..._und_gewalt.php
^5 Siehe http://www.zeit.de/arbeit/2017-10/sexuel...komplettansicht

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10.02.2018 13:04 Offline | suchen | Freundesliste | Portal
Pallas Athene Pallas Athene ist weiblich
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RE: #MeToo oder: Das Schweigen der Männer antworten | zitieren | ändern | melden       TOP

Schön langsam rundet sich das Bild über Harvey Weinstein und seine ungustiösen Gepflogenheiten ab. Filmregisseur Quentin Tarentino wusste davon. Es gab viele Mitwisser, wie nach und nach bekannt wird.
Harwey Weinstein und die Führung der Weinstein Company werden nun angeklagt.

"Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins," sagte der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag. "Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts", so Schneiderman.
Geschäftsführung und Vorstand seien nach Dutzenden Vorwürfen rechtlich dazu verpflichtet gewesen, das Verhalten zu stoppen. Untersucht wurden diese Vorwürfe dem Staatsanwalt zufolge jedoch nie.
Schneiderman hatte am Sonntag nach vier Monate langen Ermittlungen Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht...“(Weinsteins Firma verklagt
"Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins," sagte der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag. "Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts", so Schneiderman.
Geschäftsführung und Vorstand seien nach Dutzenden Vorwürfen rechtlich dazu verpflichtet gewesen, das Verhalten zu stoppen. Untersucht wurden diese Vorwürfe dem Staatsanwalt zufolge jedoch nie.
Schneiderman hatte am Sonntag nach vier Monate langen Ermittlungen Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht...“


www.msn.com/de-at/unterhaltung/celebrity...cid=mailsignout)

https://www.msn.com/de-ch/nachrichten/in...tein/ar-BBJ1duz


4 Monate Recherche sind durchaus notwenig, um eine seriöse Anklageschrift zu formulieren.

Wenn ein von sexuellen Übergriffen betroffenes Opfer den Anfang macht, eine Ikone oder eine Person von Macht und Einfluss anzuklagen, ist es verständlich, dass eine Lawine an Ermutigten folgt, die ebenfalls ihre unangenehmen Erfahrungen teilt. Kevin Spacey, dem US-amerikanischen Darsteller erging es nicht anders. Täter zu outen ist keineswegs eine rein weibliche Handlungsweise, wie im Falle Spaceys deutlich, der sich aussschließlich mit Anklagen von Männern konfrontiert sieht. Niemand hindert Männer daran, Vorwürfe über sexuelle Belästigungen, seien sie von Frauen oder Männern, über #metoo mitzuteilen.

Rein rechtlich gilt die Unschuldsvermutung, doch bevor es überhaupt zu einer Anklage kommen kann, müssen sich eben Opfer über Übergriffe beklagen. Und die taten es. Dutzende Frauen wurden nach ihren Aussagen sexuell belästig und mehrere angeblich vergewaltigt. Es liegt auf der Hand, dass eine derart massive Anklage vieler Schauspielerinnen kein Einzelfall sind, selbst wenn man Trittbrettfaherinnen davon abzieht. Doch nun steht die Anklage und man wird sehen...

Dass Journalisten und Journalistinnen seinerzeit anläßlich des Missbrauchsskandals der Opfer von Priestern der katholischen Kirche gegen die katholische Kirche nciht ebenso flink reagiert haben, wie dies heutzuatage geschieht, ist dem unseligen Einfluss der katholischen Kirche geschuldet, die alles bestritten und die Opfer zu böswilligen Tätern machte. Kritik an der Kirche war ein Tabu. Inzwischen sind einige Jahre vergangen; ganz allgemein haben Opfer gelernt , sich zu wehren; langsam aber zunehmend mehr.

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13.02.2018 14:59 Offline | suchen | Freundesliste | Portal
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Es ist natürlich weniger schwierig, sich von einer einzelnen Person zu distanzieren (mit der uns nichts verbindet), als wenn man es mit einer Einrichtung zu tun hat, der man womöglich, und das seit Kindesbeinen, selbst angehört. Die, die selbst nikotinsüchtig, alkoholabhängig oder autosüchtig waren oder sind, bringen doch auch die eigene Goschn nicht auf, wenn bekannt wird, wie sich die dazugehörige Industrie, und das schon über Jahrzehnte hinweg, aufführt. Oder hat irgendein nikotinsüchtiger Vater protestiert, als bekannt wurde, dass die Nikotinsucht schon immer eine Kinderkrankheit (gut 75 Prozent der "Raucher" waren schon als Kinder oder Jugendliche süchtig) war? Da hat nicht mal die "nikotinfreie" Mehrheit, die fleißig weggeschaut und mitgemacht hat, sich noch als Kinderschützer präsentieren wollen oder können.

Und darum, nicht um der Opfer willen, empören sich viele Atheisten oder Freidenker so leidenschaftlich, wenn irgendein Kirchenvertreter ,,,,,, denn auch die Empörung sieht häufig nur da genau hin, wo sie vorher schon weiß, dass der dazugehörige Empörer schön sauber bleibt. Da empört es sich laut und gern, wo man selber nichts, häufig auch nur scheinbar oder vermeintlich, zu befürchten hat. Wie schnell wird dann doch wieder, wenn man selber auch nicht so gut dabei ausschaut, ignoriert, verharmlost oder relativiert; das "Whataboutism" feiert sich dann, als Gegenargument (um den Ankläger und die Anklage zu diffamieren) ausgegeben, auch vor sich selbst, als Krone der Aufklärung.

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Ich könnte nachvollziehen wenn Übergriffe zeitnah an die Öffentlichkeit gebracht würden. Da kann man dann auch den Beschuldigten zur Verantwortung ziehen. Aber ich habe den Eindruck dass mindestens 70-80% der "Übergriffe" die angezeigt wurden, schon mehr als 20 Jahre zurückliegen. Teilweise sind die Beschuldigten schon im Heim, gestorben oder dement.
Ich sehe hier seitens der "armen Missbrauchten" eigentlich nur den Wunsch in den Medien präsent zu sein.
Denn wenn beispielsweise ein Mädel oder ein junger Mann mit ihren Vorgesetzten oder der Chefin zwecks besserer Arbeitbedingungen ins Bett steigt und dann nach 20Jahren klagt ist das lächerlich.
24.02.2018 18:34 Offline | EMail | suchen | Freundesliste | Portal
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Zitat:
Original von Friedensreich
Ich könnte nachvollziehen wenn Übergriffe zeitnah an die Öffentlichkeit gebracht würden. Da kann man dann auch den Beschuldigten zur Verantwortung ziehen. Aber ich habe den Eindruck dass mindestens 70-80% der "Übergriffe" die angezeigt wurden, schon mehr als 20 Jahre zurückliegen. Teilweise sind die Beschuldigten schon im Heim, gestorben oder dement.
Ich sehe hier seitens der "armen Missbrauchten" eigentlich nur den Wunsch in den Medien präsent zu sein.
Denn wenn beispielsweise ein Mädel oder ein junger Mann mit ihren Vorgesetzten oder der Chefin zwecks besserer Arbeitbedingungen ins Bett steigt und dann nach 20Jahren klagt ist das lächerlich.


Es ist ja nicht die Öffentlichkeit, die hier verurteilen oder freisprechen soll. Es sind Exekutive und Judikative, die hier ihre Aufgaben erfüllen müssen. Die Öffentlichkeit, dafür haben wir ja die Medien und die Pressefreiheit, wird informiert. Wenn ich, aus welchen Gründen auch immer, über eine Straftat erst Jahre später erfahre, hat das doch nichts mit der Strafverfolgung zu tun. Auch wird selbige dadurch nicht erleichtert oder erschwert, die Fälle, wo ich selber als Zeuge auftreten könnte, lassen wir mal weg, wenn ich nicht über jeden einzelnen Fall informiert bin. Und über deinen letzten Absatz zu diskutieren oder streiten, bringt nichts, da es hier nur um etwas geht, was du dir vorstellen kannst. Sprich, das Mädel und der junge Mann müssten wirklich existieren. Denn, einen Fall, der sich so abgespielt hat, dass man ihn so vereinfacht wiedergeben kann, und dabei trotzdem alles beschreibt, was, um ein Urteil fällen zu können, eine Rolle gespielt hat, wird es in der Wirklichkeit nicht geben. Das wäre etwas zu einfach. Das schafft nur die BILD.

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Wie kontrovers die #MeToo-Bewegung unter Frauen diskutiert wird und wie kritisch junge Frauen diese Bewegung mitunter sehen, zeigt unter anderem auch die Initiative "Adults for Adults: Citizens against Patronizing Politics"^1, die unter dem Titel "#MeToo: Schreien, wie die Männer wollen?" auf derstandard.at einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht hat. Siehe https://derstandard.at/2000072174462/MeToo-Schreien-wie-die-Maenner-wollen


^1 https://www.adultsforadults.org

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RE: Adults for Adults: Citizens against Patronizing Politics antworten | zitieren | ändern | melden       TOP

Der Autor Richard Schubeth kommentiert in der Replik https://www.semiosis.at/2018/01/15/metoo-und-kein-ende/ alle Absätze des Artikels https://derstandard.at/2000072174462/MeT...-Maenner-wollen und seziert sie ausgesprochen differenziert.

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Der Artikel "#MeToo und kein Ende"^1 von Richard Schuberth wurde am 15. Januar 2018 als Replik auf den am 12. Jänner 2018 erschienenen Artikel "#MeToo: Schreien, wie die Männer wollen?"^2 der "Intellektuellen- und Künstlervereinigung Adults for Adults" veröffentlicht und zu diesem Zeitpunkt lag das Ergebnis der Prüfung der Vorwürfe durch die Anwältin der früheren Pilz-Mitarbeiterin, dass "kein strafrechtlich relevantes Substrat" vorliege, der Staatsanwaltschaft wie auch der Öffentlichkeit noch gar nicht vor.^3 Sowohl die frühere Pilz-Mitarbeiterin als auch die EVP-Mitarbeiterin - Fall Alpbach - haben dezidiert erklärt, den Behörden keine Zustimmung zu einer Strafverfolgung zu erteilen.^4 Die EVP-Mitarbeiterin sagte zudem gegenüber der Staatsanwaltschaft aus, keinen sexuellen Übergriff von Peter Pilz behauptet zu haben.^5 Schön langsam fragt man sich zu Recht, was hier eigentlich abgeht.

So manche Passage und so manche Wortwahl in dem von Adults for Adults: Citizens against Patronizing Politics veröffentlichen Text zu #MeToo finde auch ich ausgesprochen unappetitlich. In manchen Punkten bleibt Richard Schuberth in seiner Argumentation allerdings sehr unscharf. Wenn der Autor von "notwendigen Forderungen nach Durchsetzung noch nicht geltenden Rechts und noch nicht bestehender Regeln"^6 spricht, so hätte man vielleicht doch gerne gewusst, was er darunter ganz konkret versteht.

Zitat aus "#MeToo und kein Ende": "Die ihm zu Last gelegten Vorwürfe wurden in einem Fall von der Gleichbehandlungsanwaltschaft bestätigt (auf deren Expertise die Autorinnen offensichtlich nichts geben), im anderen Fall (Forum Alpbach) von mehreren Zeugen."^7

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft^8 hat in solchen Fällen die Aufgabe, die Vorwürfe auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu prüfen. Sie kann kein Urteil fällen, keine Anklage erheben und befragt keine Zeugen. Ein Verfahren, bei dem der Beschuldigte Einsicht in alle Unterlagen erhält, ist nicht vorgesehen. Was von der Gleichbehandlungsanwaltschaft bestätigt wurde, sind eingebrachte Vorwürfe. Ob diese Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, ob sie teilweise der Wahrheit entsprechen, ob sie nicht der Wahrheit entsprechen, das kann die Gleichbehandlungsanwaltschaft nicht entscheiden, das kann nur ein ordentliches Gericht herausfinden. Ziel der Gleichbehandlungsanwaltschaft ist es, ohne Gerichtsprozess, das heißt ohne Verifikation der Vorwürfe, entsprechende Veränderungen am Arbeitsplatz der beschuldigten wie auch der beschuldigenden Person rasch und möglichst unbürokratisch herbeizuführen. Die Vorwürfe dürfen dabei nicht öffentlich gemacht werden. Bei Peter Pilz wurden die Vorwürfe jedoch von bestimmten Medien und Personen öffentlich gemacht, wogegen Pilz gerichtlich vorgehen kann. Das sei ihm vorbehalten, denn es ist in dieser Causa noch nicht aller Tage Abend.

Im Fall Alpbach wurde von der Staatsanwaltschaft auch gegen Zeugen wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt. Diese Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Zeugen wurden bereits eingestellt.^9

Fazit: Warum haben gewisse JournalistInnen und Politiker_innen und ein Teil der Öffentlichkeit ein offensichtliches Problem damit, den Wunsch resp. die Aussage mündiger, erwachsener Frauen zu akzeptieren? Hat es die #MeToo-Bewegung in Österreich wirklich notwendig, sich lächerlich gemacht zu haben? Was steckt wirklich hinter der Causa Pilz: Das ist die Kardinalfrage, die es zu klären gilt.



^1 https://www.semiosis.at/2018/01/15/metoo-und-kein-ende
^2 https://derstandard.at/2000072174462/MeT...-Maenner-wollen
^3 https://diepresse.com/home/innenpolitik/...-entlastet-Pilz
^4 Siehe https://derstandard.at/2000078250618/Fal...ts-einvernommen
^5 Siehe https://derstandard.at/2000078555348/Jus...en-Pilz?ref=rec
^6 https://www.semiosis.at/2018/01/15/metoo-und-kein-ende
^7 Ebd.
^8 Siehe https://www.gleichbehandlungsanwaltschaft.gv.at
^9 Siehe https://diepresse.com/home/innenpolitik/...its-eingestellt

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Hinter der Causa Pilz steht mMn dass Pilz eine neue Partei gegründet hat, nachdem er von den Grünen irgendwo hinter gereiht wurde. Solange Pilz bei den Grünen mitgearbeitet hat war alles in Ordnung. Fällt das niemand auf, dass gerade nach seinem Parteiaustritt die ganzen Vorfälle an die Öffentlichkeit gezerrt wurden? Ich bin der Meinung, da wollte man ganz einfach an Pilz für sein Verhalten Rache nehmen und ihm in seiner pol. Arbeit behindern. Ich bin weder grün noch Pilzwähler, aber das muss doch auffallen. Man sollte bei den Grünnen vielleicht einmal etwas massiver recherchieren.
01.05.2018 00:17 Offline | EMail | suchen | Freundesliste | Portal
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Zitat:
Original von Friedensreich
Fällt das niemand auf, dass gerade nach seinem Parteiaustritt die ganzen Vorfälle an die Öffentlichkeit gezerrt wurden?

Das wissen wir doch von Anfang an.

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Zitat aus "#MeToo und kein Ende" von Richard Schuberth: "Und es hat insofern Bewusstsein geschaffen, als die 'Sensibilisierung' durch die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht zu einem kulturalistischen Outsourcen sexueller Übergriffigkeit, zu einer Sensibilisierung für orientalische Belästigung geführt hatte, während #MeToo doch deutlich zeigte, dass es das Problem einer klassen- und kulturenübergreifenden Ökumene ist, und die heißt Patriarchat."^1

Durch #MeToo soll es in der Gesellschaft zu einer "Sensibilisierung für orientalische Belästigung" gekommen sein?

Zitat aus "#MeToo und kein Ende" von Richard Schuberth: "[...] und sexuell unbescholtene Waffenproduzenten ruhig in ihren Betten schlafen."^2

Es gibt Waffenproduzenten, denen keine sexuelle Belästigung und keine sexuelle oder sexualisierte Gewalt nachgesagt werden kann - und das im Patriarchat.

Zitat aus "#MeToo und kein Ende" von Richard Schuberth: "Doch in jedem gesellschaftlichen Kampf gibt es sowohl Friendly Fire als auch unschuldige Opfer. [...] Ob Peter Pilz unschuldig ist, darf bezweifelt werden. [...] Warum aber hat Pilz nicht den Rechtsweg beschritten? Natürlich weiß er sehr gut, warum er es nicht darauf hat ankommen lassen. Und seine Macho-Eskapaden würden weniger wiegen, wenn er nicht in seinem Buch Heimat Österreich partout so viel Empathie mit der Angst einheimischer Frauen vor 'ausländischen' Grapschern gezeigt und so lautstark die abendländischen Werte der Frauenrechte beschworen hätte."^3

Wir nähern uns der Beantwortung der Kardinalfrage in Siebenmeilenschritten.

Weiterlesen



^1 https://www.semiosis.at/2018/01/15/metoo-und-kein-ende
^2 Ebd.
^3 Ebd.

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Aus einer unter erwachsenen Österreicherinnen und Österreichern durchgeführten repräsentativen Studie zum Thema "Sexuelle Belästigung in Österreich" des market Instituts für Markt-, Meinungs- und Mediaforschung geht hervor, dass 41 Prozent der Frauen angaben, schon mindestens ein Mal in ihrem Leben von einem Mann sexuell belästigt worden zu sein, 2 Prozent der Frauen gaben an, von einer Frau sexuell belästigt worden zu sein. Bei den befragten Männern sagten 7 Prozent, schon mindestens ein Mal von einer Frau sexuell belästigt worden zu sein, 9 Prozent der Männer erklärten, schon mindestens ein Mal von einem Mann sexuell belästigt worden zu sein. 6 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen machten keine Angabe. Somit gaben 46 Prozent der Frauen und 78 Prozent der Männer an, noch nie in ihrem Leben sexuell belästigt worden zu sein.^1 In welcher Form die jeweilige sexuelle Belästigung erfolgt worden sein soll, geht aus der Statistik nicht hervor.

Bei der Frage, was als sexuelle Belästigung eingestuft werde, liegt das absichtliche Berühren der Brust mit 94 Prozent auf Platz eins, gefolgt vom absichtlichen Berühren im Schritt mit 92 Prozent und dem absichtlichen Berühren des Gesäßes mit 82 Prozent. Auf Platz vier liegt das absichtliche Berühren des Oberschenkels mit 73 Prozent. Die absichtliche Berührung des Rückens wird von 16 Prozent der Befragten als sexuelle Belästigung empfunden, das absichtliche Berühren der Hand von 10 Prozent. 2 Prozent sprechen bei Komplimenten zum Aussehen von sexueller Belästigung; unter diesen 2 Prozent sind 25 Prozent Männer.^2

In dieser Studie sind auch die Männergruppen enthalten, die eine besondere Neigung zu sexueller Belästigung aufweisen sollen. Dabei liegen alkoholisierte Männer mit 73 Prozent eindeutig auf Platz eins, gefolgt von Männern in Führungspositionen mit 52 Prozent und Männern mit Migrationshintergrund (religiös, kulturell) mit 45 Prozent.^3

Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie: 41 Prozent der Frauen und 68 Prozent der Männer meinten, dass es Männern eher egal sei, wenn sie sexuell belästigt werden.^4 Männer werden, die genaue Zahl wurde nicht eruiert, von einer Frau oder einem Mann sexuell belästigt und messen dem offenbar keine Bedeutung bei.

In Bezug auf die #MeToo-Debatte gaben 60 Prozent der befragten Frauen an, dass sie die Mediendiskussion zu diesem Thema für übertrieben halten, bei den Männern sagten dies 66 Prozent, wobei 12 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer keine klare Meinung dazu haben.^5

Der Einleitungssatz zu dieser Studie ist in jedem Fall kritisch zu hinterfragen: "In den letzten Wochen wurde von diversen Fällen von sexueller Belästigung durch Männer in den Medien berichtet (z.B. Peter Pilz in Österreich, Harvey Weinstein in Hollywood)."^6 Hier Peter Pilz und Harvey Weinstein in einem Atemzug zu nennen ist unseriös; bei Peter Pilz dürfte nach derzeitigem Ermittlungsstand der Straftatbestand der sexuellen Belästigung nicht vorliegen. Sexuelle und sexualisierte Gewalt waren bei den Vorwürfen gegen Peter Pilz im Gegensatz zu den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein nie Gegenstand der Ermittlungen wie auch der Medienberichterstattung, die, das muss man sagen, im Fall von Peter Pilz vornehmlich einseitig und mit präjudizierendem Charakter erfolgte.

Ist es weniger schlimm, wenn eine Frau von einer Frau sexuell belästigt wird? Man könnte das fast glauben, wenn man sich die Zahl des Jahres 2017 ansieht: 41.^7 Die 2 Prozent der Frauen, die angaben, sexuell belästigt worden zu sein, nur nicht von einem Mann, sondern von einer Frau, lässt man unter den Tisch fallen.^8

Die Lösung für das Problem der sexuellen Belästigung in Österreich kann nur in einer möglichst umgehend zu erfolgenden Anzeige samt detaillierter Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft liegen.

Auch im Zeitalter der "psychopathologischen" Misandrie ist jede öffentliche Pauschalverurteilung von Männern im Zusammenhang mit dem Straftatbestand der sexuellen Belästigung, der sexuellen Gewalt oder der sexualisierten Gewalt von wem auch immer ein Verstoß gegen StGB § 283 Verhetzung^9 und bildet somit einen Straftatbestand.



^1 Siehe https://www.market.at/news/details/metoo...-betroffen.html
^2 Siehe ebd.
^3 Siehe ebd.
^4 Siehe ebd.
^5 Siehe ebd.
^6 Ebd.
^7 Siehe http://www.numeris.at/ZdJ.html
^8 Siehe auch https://derstandard.at/2000070833266/MeT...Zahl-des-Jahres
^9 https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.w...ebergangsrecht=

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