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 RE: Robert Schumann: Symphonie Nr. 4 - Celibidache Ramon 25.02.2018 13:55
 Mozart: Requiem - Celibidache ALO Atheist 28.02.2018 19:03

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Ramon Ramon ist männlich
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Dabei seit: 23.11.2008
Beiträge: 6.562
Herkunft: Niederbayern

RE: Robert Schumann: Symphonie Nr. 4 - Celibidache antworten | zitieren | ändern | melden       TOP

Zitat:
Original von ALO Atheist

Ein Dirigent braucht sich beim Orchester und dem Publikum nicht anzubiedern, er wird ausschließlich am Ergebnis gemessen. Das mag bei bestimmten Berufsgruppen vielleicht anders sein, aber ein Dirigent ist weder ein Politiker, der Sympathiepunkte sammeln muss, um Wahlen gewinnen zu können, noch ein Hollywood-Schauspieler. Georg Solti beispielsweise galt als rücksichtsloser Dirigent, der einzelne Orchestermusiker aus dem Orchester entfernen und durch andere ersetzen ließ, wenn sie eine Stelle beim dritten Mal immer noch nicht so spielten, wie er es von ihnen verlangt hatte. Einmal hatte er die Stimme einer Sängerin nachhaltig ruiniert, weil er von ihr verlangt hatte, auf völlig ungewöhnliche und stimmschädigende Weise zu singen. Auch Sergiu Celibidache war kein angenehmer Dirigent. Aber er hat ein Werk zu hundert Prozent eigenständig durchdacht, scherte sich nicht um andere Interpretationen des Werks und schon gar nicht um den Mainstream-Publikumsgeschmack. Dirigenten machen sich dann beliebt, wenn sie nicht zu streng sind und Kompromisse schließen. Dann sind sie beliebt, aber unbedeutend, und die Orchestermusiker haben ein schönes Leben. Mittelmäßigkeit ist der Tod der Kunst.


Nun gut, gegen deine latenten Probleme mit der Politik, der Demokratie und demokratisch-gewählten Politikern, hab ich natürlich auch kein Heilmittel. Dass dir da, um deine diesbezügliche Abneigung zu stützen, ausgerechnet Goethe, der gerne mal ein Loblied auf den Absolutismus hat anstimmen mögen, das Panier schon halten hat dürfen, sagt ja ohnehin einiges aus. Und was den Mainstream anbelangt, so muss ich deswegen, um ihn nicht zu bedienen, nicht zum Ekelpaket verkommen, wo sich fast jeder Musiker, der unter mir zu leiden hat, das Ende meines Engagements herbeisehnt. Es hat natürlich immer schon Leute gegeben, die da, wo sie das Genie vermuteten, alles, auch noch die größten Charakterschwächen, als zum Genie gehörend akzeptierten. Der miese Charakter wurde und wird gar als Grundlage und Grundvoraussetzung des Genies angesehen. Ich hab Herrn Celibidache, den ich bestenfalls als unfreundlichen Handwerker bezeichnen möchte, in München miterleben dürfen, und er hat mir dabei, durch seine gefühllosen und emotionslosen Dirigate, die Münchner Philharmoniker, mit dessen Musikern ich regelrecht mitgelitten habe, für lange Zeit verdorben. Gut war nur, dass die Musiker, was ich ihnen jederzeit nachsehen konnte, die ganze Sache immer möglichst schnell hinter sich bringen wollten.

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"Man fragt sich nur besorgt, was die Sowjets anfangen werden, nachdem sie ihre Bourgeois ausgerottet haben.“
Sigmund Freud


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25.02.2018 13:55 Offline | suchen | Freundesliste | Portal
ALO Atheist
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Dabei seit: 19.03.2010
Beiträge: 1.828

Themenstarter Thema begonnen von ALO Atheist
Pfeil Mozart: Requiem - Celibidache antworten | zitieren | ändern | melden       TOP

Zitat:
Original von Ramon

Ich hab Herrn Celibidache, den ich bestenfalls als unfreundlichen Handwerker bezeichnen möchte, in München miterleben dürfen, und er hat mir dabei, durch seine gefühllosen und emotionslosen Dirigate, die Münchner Philharmoniker, mit dessen Musikern ich regelrecht mitgelitten habe, für lange Zeit verdorben.


Dass Sergiu Celibidache gerade bei der romantischen Musik die in der Partitur stehenden Diminuendi und Crescendi etwas seltsam auslegt und zu kurz kommen lässt, dass Dynamik bei ihm offenbar kaum eine Rolle spielt, dass ausgedehnte Spannungsbögen kaum zum Tragen kommen, sind berechtigte Kritikpunkte an seinem Dirigat. Dafür legt er höchsten Wert auf Transparenz, auf Klarheit beim Kontrapunkt, auf Feinheiten bei der Phrasierung und auf das, was seiner Ansicht nach zwischen den Notenzeilen und nicht in der Partitur steht. Ihn als "Handwerker"^1 zu bezeichnen, das wird ihm mit Sicherheit nicht gerecht. Man kann von Celibidache viel lernen, auch wenn man, wie ich, nicht immer seiner Meinung ist.




Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem in d-Moll. Caroline Petrig (Sopran), Christel Borchers (Alt), Peter Straka (Tenor), Matthias Hölle (Bass), Philharmonischer Chor München, Münchner Philharmoniker, Dirigent: Sergiu Celibidache - 1995:
youtube.com/watch?v=_9vuUJcUbkE


^1 Vielleicht finden es manche lustig, einen Dirigenten als "Handwerker" zu bezeichnen, da er bei seiner Berufsausübung in rein körperlicher Hinsicht vornehmlich seine bloßen Hände mit oder ohne Dirigentenstab zum Einsatz bringt. Von mir stammt dieser Vergleich nicht.

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