Freidenker Community
Homepage Zur Startseite Zum Portal Registrierung Suche Mitgliederliste Teammitglieder Häufig gestellte Fragen Dateiablage Linkliste
Freidenker Community » Freidenkerthemen » Pressemitteilungen » #MeToo oder: Das Schweigen der Männer » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Neues Thema | Antworten
Zum Ende der Seite springen #MeToo oder: Das Schweigen der Männer
Beiträge zu diesem Thema Autor Datum
 #MeToo oder: Das Schweigen der Männer ALO Atheist 10.02.2018 13:04
 RE: #MeToo oder: Das Schweigen der Männer Pallas Athene 13.02.2018 14:59
 RE: #MeToo oder: Das Schweigen der Männer Ramon 19.02.2018 10:56

Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
ALO Atheist
Moderator


images/avatars/avatar-252.jpg

Dabei seit: 19.03.2010
Beiträge: 1.819

Pfeil #MeToo oder: Das Schweigen der Männer antworten | zitieren | ändern | melden       TOP

#MeToo

oder

Das Schweigen der Männer



Im Herbst des letzten Jahres wurde der US-amerikanische, jüdische Filmproduzent Harvey Weinstein^1 mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung sowie der sexuellen und sexualisierten Gewalt gegen Frauen konfrontiert. Auslöser für den Erfolg des 2006 von der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke erstmals verwendeten Hashtags "#MeToo" waren die Anschuldigungen der US-amerikanischen Filmschauspielerin Alyssa Milano gegen Harvey Weinstein Mitte Oktober 2017. Weitere Filmschauspielerinnen beschuldigten den bekannten Filmproduzenten der sexuellen Belästigung und der sexuellen sowie sexualisierten Gewalt und seither haben unzählige Frauen über das Hashtag "#MeToo" gegen Männer Vorwürfe der sexuellen Belästigung oder auch der sexuellen und sexualisierten Gewalt erhoben. In Deutschland und anderen Ländern wurde nach prominenten männlichen Tätern gesucht und frau/man wurde schließlich journalistisch fündig.

Weder Harvey Weinstein noch andere beschuldigte Prominente wurden bisher von der Polizei verhaftet, obwohl gerade in den USA die Behörden bei einer sexuellen Straftat welcher Form auch immer sofort reagieren und den Beschuldigten umgehend festnehmen - auch sehr Prominente, wie wir aus der Vergangenheit wissen. Und Journalistinnen und Journalisten ersetzen in einem Rechtsstaat nicht die Staatsanwaltschaft. Wir wollen in einem mitteleuropäischen Rechtsstaat an die geltenden Gesetze denken: StPO § 8 "Unschuldsvermutung": Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig.^2 Das Ganze ist auf unterschiedlichen Ebenen eine Frage der Glaubwürdigkeit und der Journalismus hat in dieser Causa seine eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. #MeToo könnte vielleicht auch dazu anregen, § 7b "Schutz der Unschuldsvermutung" des Mediengesetzes etwas modifizieren zu lassen,^3 denn der Begriff "wahrheitsgetreu" lässt sich auf jede Lüge ausdehnen.

Unter der Headline "Es gilt die Schuldvermutung" verfasste Franz J. Sauer, Chefredakteur von "WIENER-ONLINE", ein lesenswertes aktuelles "Fazit" zur #MeToo-Thematik. Siehe wiener-online.at/2018/02/06/es-gilt-die-schuldvermutung

Gestern erschien im "Kurier" ein interessantes Interview mit dem berühmten, österreichischen Filmregisseur Michael Haneke unter dem Titel "Hexenjagd im Mittelalter belassen", in dem der Regisseur und Kenner des Filmmilieus auch auf die #MeToo-Debatte zu sprechen kommt. Siehe kurier.at/kultur/michael-haneke-hexenjagd-im-mittelalter-belassen

Aus einer repräsentativen Studie zu diesem Thema geht hervor, dass etwa 27 Prozent der Männer im Erwachsenenalter sexuell belästigt oder auch Opfer sexueller oder sexualisierter Gewalt wurden - in der Regel durch eine Frau.^4 #MeToo ist keineswegs eine Einbahnstraße.^5

Hätten Journalistinnen und Journalisten - es geht um Glaubwürdigkeit - bei den Opfern sexueller resp. sexualisierter Gewalt durch Repräsentantinnen und Repräsentanten der katholischen Kirche ähnlich eifrig agiert, so wäre der größte sexuelle Missbrauchsskandal der Zweiten Republik vielleicht in seiner ganzen Bandbreite ans Licht gekommen.


^1 Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Harvey_Weinstein
^2 Siehe https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassun...nummer=10002326
^3 Siehe https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassun...nummer=10000719
^4 Siehe https://www.gewaltinfo.at/fachwissen/aus..._und_gewalt.php
^5 Siehe http://www.zeit.de/arbeit/2017-10/sexuel...komplettansicht

__________________
Auszeichnungen:
Poster der Woche Poster des Monats
10.02.2018 13:04 Offline | suchen | Freundesliste | Portal
Pallas Athene Pallas Athene ist weiblich
Professor/in


Dabei seit: 03.02.2009
Beiträge: 959

RE: #MeToo oder: Das Schweigen der Männer antworten | zitieren | ändern | melden       TOP

Schön langsam rundet sich das Bild über Harvey Weinstein und seine ungustiösen Gepflogenheiten ab. Filmregisseur Quentin Tarentino wusste davon. Es gab viele Mitwisser, wie nach und nach bekannt wird.
Harwey Weinstein und die Führung der Weinstein Company werden nun angeklagt.

"Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins," sagte der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag. "Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts", so Schneiderman.
Geschäftsführung und Vorstand seien nach Dutzenden Vorwürfen rechtlich dazu verpflichtet gewesen, das Verhalten zu stoppen. Untersucht wurden diese Vorwürfe dem Staatsanwalt zufolge jedoch nie.
Schneiderman hatte am Sonntag nach vier Monate langen Ermittlungen Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht...“(Weinsteins Firma verklagt
"Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins," sagte der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag. "Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts", so Schneiderman.
Geschäftsführung und Vorstand seien nach Dutzenden Vorwürfen rechtlich dazu verpflichtet gewesen, das Verhalten zu stoppen. Untersucht wurden diese Vorwürfe dem Staatsanwalt zufolge jedoch nie.
Schneiderman hatte am Sonntag nach vier Monate langen Ermittlungen Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht...“


www.msn.com/de-at/unterhaltung/celebrity...cid=mailsignout)

https://www.msn.com/de-ch/nachrichten/in...tein/ar-BBJ1duz


4 Monate Recherche sind durchaus notwenig, um eine seriöse Anklageschrift zu formulieren.

Wenn ein von sexuellen Übergriffen betroffenes Opfer den Anfang macht, eine Ikone oder eine Person von Macht und Einfluss anzuklagen, ist es verständlich, dass eine Lawine an Ermutigten folgt, die ebenfalls ihre unangenehmen Erfahrungen teilt. Kevin Spacey, dem US-amerikanischen Darsteller erging es nicht anders. Täter zu outen ist keineswegs eine rein weibliche Handlungsweise, wie im Falle Spaceys deutlich, der sich aussschließlich mit Anklagen von Männern konfrontiert sieht. Niemand hindert Männer daran, Vorwürfe über sexuelle Belästigungen, seien sie von Frauen oder Männern, über #metoo mitzuteilen.

Rein rechtlich gilt die Unschuldsvermutung, doch bevor es überhaupt zu einer Anklage kommen kann, müssen sich eben Opfer über Übergriffe beklagen. Und die taten es. Dutzende Frauen wurden nach ihren Aussagen sexuell belästig und mehrere angeblich vergewaltigt. Es liegt auf der Hand, dass eine derart massive Anklage vieler Schauspielerinnen kein Einzelfall sind, selbst wenn man Trittbrettfaherinnen davon abzieht. Doch nun steht die Anklage und man wird sehen...

Dass Journalisten und Journalistinnen seinerzeit anläßlich des Missbrauchsskandals der Opfer von Priestern der katholischen Kirche gegen die katholische Kirche nciht ebenso flink reagiert haben, wie dies heutzuatage geschieht, ist dem unseligen Einfluss der katholischen Kirche geschuldet, die alles bestritten und die Opfer zu böswilligen Tätern machte. Kritik an der Kirche war ein Tabu. Inzwischen sind einige Jahre vergangen; ganz allgemein haben Opfer gelernt , sich zu wehren; langsam aber zunehmend mehr.

__________________
Atheismus ist frei von Religionssek(k)(t)iererei


__________________
Auszeichnungen:
Poster der Woche
13.02.2018 14:59 Offline | suchen | Freundesliste | Portal
Ramon Ramon ist männlich
Normaler Mensch


images/avatars/avatar-103.jpeg

Dabei seit: 23.11.2008
Beiträge: 6.542
Herkunft: Niederbayern

antworten | zitieren | ändern | melden       TOP

Es ist natürlich weniger schwierig, sich von einer einzelnen Person zu distanzieren (mit der uns nichts verbindet), als wenn man es mit einer Einrichtung zu tun hat, der man womöglich, und das seit Kindesbeinen, selbst angehört. Die, die selbst nikotinsüchtig, alkoholabhängig oder autosüchtig waren oder sind, bringen doch auch die eigene Goschn nicht auf, wenn bekannt wird, wie sich die dazugehörige Industrie, und das schon über Jahrzehnte hinweg, aufführt. Oder hat irgendein nikotinsüchtiger Vater protestiert, als bekannt wurde, dass die Nikotinsucht schon immer eine Kinderkrankheit (gut 75 Prozent der "Raucher" waren schon als Kinder oder Jugendliche süchtig) war? Da hat nicht mal die "nikotinfreie" Mehrheit, die fleißig weggeschaut und mitgemacht hat, sich noch als Kinderschützer präsentieren wollen oder können.

Und darum, nicht um der Opfer willen, empören sich viele Atheisten oder Freidenker so leidenschaftlich, wenn irgendein Kirchenvertreter ,,,,,, denn auch die Empörung sieht häufig nur da genau hin, wo sie vorher schon weiß, dass der dazugehörige Empörer schön sauber bleibt. Da empört es sich laut und gern, wo man selber nichts, häufig auch nur scheinbar oder vermeintlich, zu befürchten hat. Wie schnell wird dann doch wieder, wenn man selber auch nicht so gut dabei ausschaut, ignoriert, verharmlost oder relativiert; das "Whataboutism" feiert sich dann, als Gegenargument (um den Ankläger und die Anklage zu diffamieren) ausgegeben, auch vor sich selbst, als Krone der Aufklärung.

__________________
"Man fragt sich nur besorgt, was die Sowjets anfangen werden, nachdem sie ihre Bourgeois ausgerottet haben.“
Sigmund Freud


__________________
Auszeichnungen:
Poster der Woche
19.02.2018 10:56 Offline | suchen | Freundesliste | Portal
Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema | Antworten
Freidenker Community » Freidenkerthemen » Pressemitteilungen » #MeToo oder: Das Schweigen der Männer

Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH | Impressum